Nach dem Atlas besuchte ich Marrakesh. Die Stadt, welche auch als Tor zur Sahara gilt, war wirklich sehenswert. Nur störten mich die Massen an Touristen und vorallem diejenigen, die keine Rücksicht auf die islamische Kultur nahmen und halbnackt durch die Stadt drängten. Nach Marrakesh stand nun Sand, Sand und nochmals Sand auf dem Plan. In Zagora liess ich mein Gefährt von Spezialisten modifizieren, und fuhr von dort über Sandpisten in die Republik Westsahara und von dort nach Mauretanien. Sand soweit das Auge reichte, zum Glück war das aber nicht alles! In Mauretanien erreichte ich das wilde Afrika und wurde vom Fischerfieber gepackt.
Das Tor zur Sahara
In Marrakesh übernachtete ich auf einem Parkplatz mitten in der Stadt. Perfekter Ausgangspunkt, um die Strassen zu erkunden! Neben den Unmengen an Touristen und den dazugehörigen Touristenfallen, ist Marrakesh eine wunderschöne Stadt. Ich besichtigte viele Sehenswürdigkeiten über die ich auf meinen planlosen Märschen durch die Strassen stolperte, und trank literweise Grüntee. Danach liess ich mein Auto in Zagora inspizieren und liess einige Änderungen vornehmen, die mein Auto für die Pisten in Afrika wappnen sollte. Nun war ich wirklich in der Wüste angekommen und konnte endlich meine “Offroadqualtitäten” unter Beweis stellen.
Von Zagora fuhr ich tagelang über Sandpisten durch den nördlichen Teil der Sahara, bewunderte den Sternenhimmel bei Nacht und versuchte kein Dromedar anzufahren. Leider kam der Wind ebenfalls mit mir in die Wüste. Wind war ich eigentlich gewöhnt, immerhin wuchs ich in einem Föhntal auf. Hier kamen jedoch nicht nur Luft und Gartenstühle geflogen wie zu Hause, sondern auch eine Menge Sand. Unaufhörlich. Ich versuchte den Sand so gut es ging zu ignorieren, nur war das relativ schwierig, da sich mein Leben auf meiner Reise vor allem draussen abspielt. Knirschen beim Zähneputzen war nur eine der Nebenerscheinungen.

Vom No-Man’s Land nach Mauretanien
In der Westsahra wurden aus den Sandpisten wieder asphaltierte Strassen. Nicht mehr so viele Kamele, dafür umso mehr Polizei-Checkpoints. In der Westsahara trifft die Wüste auf den Atlantik und somit entsteht ein gigantischer Strand, der viel Platz zum campieren bietet. Die Städte, die ich auf meinem Weg nach Mauretanien durchquerte, waren viel westlicher als die Städte in Marokko und viel grösser als ich erwartet hatte. Nach einigen Tagen kam ich dann an der Grenze an. Über Mauretanien hatte ich eigentlich noch nicht viel gehört, nur die Warnungen auf der Webseite des Eidgenössischen Departement für Auswärtiges. Ich freute mich darauf mir selbst ein Bild machen zu können.
Der Grenzübergang auf marokkanischer Seite verlief ohne Überraschungen und war in etwa einer Stunde erledigt. Zwischen den Grenzen liegt jedoch das berühmte No-Man’s Land: Ein Streifen Wüste der mit Minen und Autofracks übersät war. Es existieren keine Strassen und ich folgte einfach einem anderen Auto. Ohne über eine Mine zu fahren, kam ich dann an der mauretanischen Grenze an und merkte auf einen Schlag, dass hier das wirkliche Afrika beginnt. Noch mehr Stempeln als in Marokko und Jeder versucht sich ein paar Euros dazu zu verdienen. Mit diskutieren und freundlichem Lächeln konnte ich aber allen ausserordentlichen Bezahlungen ausweichen. Jedoch wurde aus einer Stunde eine Zweite und aus zwei wurden plötzlich drei. Alle waren freundlich und gesprächig, aber nicht unbedingt effizient. Für das war ich ja auch nicht hier.

Schaufeln was das Zeug hält
Aus war es mit gutem Asphalt und Ordnung auf den Strassen. Mit einem Schlag war ich mitten in Westafrika und das konnte man überall sehen. Die meisten Autos auf mauretanischen Strassen würden in der Schweiz nicht vom Schrottplatz gelassen werden, Kutschen fahren hier auch auf der Autobahn und leider scheint es auch keine funktionierende Abfallbeseitigung zu geben. Man spürte auch, dass sich in Mauretanien arabische und westafrikanische Kultur vermischen. Eine unglaublich interessante Kombination. Von der gewarnten Unsicherheit ist überhaupt nichts zu spüren!
Nach der ersten Stadt in Mauretanien wollte ich den Nationalpark Banc d’Arguin besuchen. Nur gab es keine Strassen im Nationalpark und man verwies mich an einer Tankstelle, dass querfeldein am einfachsten sei. Nagut, ich kannte die Wüste ja schon ein Bisschen. So fuhr ich also über Stock und Stein, harter Untergrund der das Fahren einfach machte. Doch plötzlich wurde aus gehärteter Erde weicher Tiefsand, schon steckte ich bis zum Chassis fest. Mit meiner Schaufel und den Sandblechen konnte ich mich nach gut einem Tag endlich befreien. Zum Glück war ich vorbereitet und hatte genug Wasser bei mir. Auf jeden Fall lernte ich was dazu und vervollständigte mein Sahara-Erlebnis. Erschöpft und voller Sand kam ich dann in einem kleinen Fischerdorf im Park an. Jetzt endlich Vögel beobachten!
Fischen in der Wüste
“Vögel? Da bist du ein Bisschen zu spät”. Ich wusste, dass die meisten Zugvögel wieder zurück in Europa sind, Winter ist ja vorbei. Ich hoffte dennoch, dass einige Vögel vor Ort geblieben sind, leider war ausser Möwen und ein paar Flamingos wenig zu sehen. “Warum kommst du nicht mit uns fischen?” wurde ich gefragt. Gute Idee, hatte ich doch die alte Angelrute meines Vaters im Gepäck. Ich wurde mit meiner Rute für Forellen nur belächelt, waren die Fische hier doch um einiges grösser. Was solls, versuchen kann man es ja.

Nach ein paar Stunden hatte ich dann plötzlich einen kleinen Seebarsch am Haken und ich freute mich riesig. Ich wollte noch einen Tag bleiben, um die guten Fischgründe auszunutzen. Am nächsten Tag war mir das Glück leider nicht mehr hold. Nagut, nochmals einen Tag. Nun begann das Spektakel: Die Sardinenschwärme erreichten die Küste. Meine Kameraden holten einen Thunfisch nach dem anderen an Land, sogar ich fing ein kleiner Thunfisch mit meiner Forellenangel und Köder aus dem Bauhaus. Mich hatte das Fischerfieber gepackt! Am Abend konnte ich eine neue Angel mit Ausrüstung organisieren, ich war für grössere Kaliber gewappnet. Am darauffolgenden Tag gab es dann kein Halten mehr. Ich fühlte mich mitten in einer National Geographic Doku: Delfine, Haie, Möwen und Thunfische jagten die Sardinenschwärme und ich mit einer handvoll Fischer mittendrin. Es war der Höhepunkt der Fischsaison in Mauretanien und ich war in einer der besten Fischgründe Westafrikas. Fisch um Fisch wurde an Land gezogen, so viele, dass ich mich fragte was ich mit all den Fischen anstellen sollte. Mir wurde versichert dass kein einziger Fisch verschwendet wird und alle Dörfer im Nationalpark davon profitieren. Und wirklich: Am Abend als wir unsere Beute mit Mühe zurück ins Dorf geschleppt hatten, kamen die Einwohner der Dörfer und freuten sich mit uns. Was für ein Erlebnis!


Hoi Fabian
Toll, über deine Erlebnisse zu lesen.
Wir freuen uns mit dir , weiter so.
Ganz lieber Gruss
Vito und Fam.
Danke vielmals!!!